Kaum ein Fest gehört so fest zum Kindergartenjahr wie St. Martin. Die Laternen leuchten, die Lieder sitzen, der Umzug ist geplant. Doch die eigentliche Geschichte geht im Basteltrubel oft unter. Dabei ist sie eine der schönsten, die man Kindern erzählen kann: Ein Mann teilt, was er hat – nicht weil er muss, sondern weil er hinsieht.
Hier findest du Ideen, wie die Martinszeit mehr wird als ein Laternenumzug: zum Erzählen, zum Nachspielen, zum Teilen und zum Bauen.
Die Geschichte in drei Sätzen
Martin lebte im 4. Jahrhundert und war Soldat im römischen Heer. An einem eiskalten Wintertag ritt er durch das Stadttor von Amiens und sah einen Bettler, der fror. Martin hatte kein Geld bei sich – also nahm er sein Schwert, teilte seinen Mantel und gab dem Mann die Hälfte.
In der Nacht, so erzählt die Legende, sah Martin im Traum Jesus, der den halben Mantel trug. Dahinter steht ein Wort aus dem Matthäusevangelium (Matthäus 25,40): Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan. Martin ließ sich taufen, wurde später Bischof von Tours und blieb sein Leben lang ein Mann, der Menschen in Not nicht übersah. Der 11. November ist sein Gedenktag.
Erzählen: lieber mit Gegenständen als mit Worten
Kinder im Kindergartenalter verstehen Geschichten am besten, wenn sie etwas sehen und anfassen können. Drei einfache Wege:
- Erzähltuch: Ein großes rotes Tuch ist der Mantel. Vorher in der Mitte ein Stück einschneiden – dann lässt es sich an der passenden Stelle mit den Händen in zwei Teile reißen. Dieser Moment bleibt.
- Bodenbild: Mit Tüchern, Steinen und Figuren entsteht in der Mitte des Stuhlkreises die Stadt mit Tor, davor der Weg und der Bettler. Die Kinder legen mit.
- Rollenspiel: Ein Kind ist Martin, eines der Bettler. Die anderen sind der Wind, die Leute am Tor, das Pferd. Kurze Szenen genügen – wichtig ist das Gefühl: Wie ist es, zu frieren? Wie ist es, etwas abzugeben?
Teilen erlebbar machen
„Teilen ist schön“ ist schnell gesagt. Spannend wird es, wenn Kinder merken, dass Teilen auch etwas kostet – und trotzdem froh macht.
- Martinsbrezel oder Weckmann teilen: Jedes Kind bekommt eines und teilt es mit einem anderen Kind. Gespräch danach: Wie hat es sich angefühlt?
- Die halbe Hälfte: Ein Apfel wird geteilt, dann noch einmal, dann noch einmal. Reicht es für alle? Hier steckt nebenbei viel Mathematik drin.
- Mantel-Aktion: Die Gruppe sammelt warme Kleidung oder Mützen für eine Kleiderkammer oder Tafel in der Nähe. Ein Brief oder ein Foto von der Übergabe macht das Ergebnis sichtbar.
- Zeit teilen: Die Gruppe besucht ein Seniorenheim und singt dort Martinslieder. Teilen heißt nicht nur abgeben, sondern auch da sein.
Bauen: die Stadt Amiens in der Bauecke
Die Bauecke ist in der Martinszeit ein wunderbarer Ort, um die Geschichte weiterzuspielen. Die Aufgabe: Baut das Stadttor, durch das Martin geritten ist.
- Das Tor: Zwei Säulen, darüber ein Bogen oder ein flacher Stein als Sturz. Kinder merken schnell, dass ein Bogen nur hält, wenn beide Seiten gleich hoch und stabil sind.
- Die Stadtmauer: Steine im Verband setzen – also versetzt, wie bei einer echten Mauer. So hält sie besser. Ein gutes Gespräch über Statik, ganz ohne Fachbegriffe.
- Häuser, Turm, Kirche: Hinter dem Tor entsteht die Stadt. Wer mag, baut eine kleine Kirche – der Ort, an dem Martin später Bischof war.
- Figuren dazu: Martin, Pferd und Bettler aus Knete, Holz oder als gemalte Pappfiguren. Damit wird die Bauecke zur Erzählbühne.
Besonders gut eignen sich dafür Ankersteine: Ihre Rundbögen, Säulen und Dachsteine sehen aus wie echtes Mauerwerk, und durch ihr Gewicht stehen Tore und Türme stabil. Für ein Stadttor mit Mauer reicht der Grundkasten 4; wer Turm, Kirche und Häuser bauen möchte, ergänzt mit dem Ergänzungskasten 12A.
Laternen: einfach, aber mit Sinn
Natürlich gehört die Laterne dazu. Ein kleiner Gedanke macht sie mehr als ein Bastelobjekt: Martin hat Licht in das Leben eines anderen gebracht. Die Laterne erinnert daran, dass auch Kinder für andere ein Licht sein können. Ein Satz, den Kinder verstehen: „Wer teilt, macht es für einen anderen hell.“
Praktische Tipps: Bei Kleinen reicht eine Käseschachtel-Laterne mit Transparentpapier. Ältere Kinder schaffen Faltlaternen oder Laternen aus Kleisterballons. LED-Stäbe statt Kerzen sind im Kindergarten Pflicht – und auf dem Umzug deutlich entspannter.
Für kirchliche und nicht-kirchliche Kindergärten
In evangelischen und katholischen Kindergärten gehört St. Martin selbstverständlich zum Kirchenjahr; oft gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst mit der Gemeinde. Aber auch in Kindergärten ohne kirchlichen Träger lässt sich die Geschichte gut erzählen. Sie handelt von Mitgefühl, Mut und Teilen – Werte, die in jedem Kindergarten ihren Platz haben. Wichtig ist nur, ehrlich zu erzählen: Martin war Christ, und sein Handeln kam aus seinem Glauben.
Was christliche Pädagogik im Kindergarten darüber hinaus ausmacht – und was Fröbel damit zu tun hat – erklären wir auf unserer Seite Christliche Pädagogik im Kindergarten.
Kleine Checkliste für die Martinszeit
- Geschichte in der Woche vor dem 11. November mehrmals erzählen – Kinder lieben Wiederholung.
- Ein Teil-Erlebnis einplanen: Brezel, Apfel oder Sammelaktion.
- Stadttor und Stadtmauer als Bauaufgabe in die Bauecke legen.
- Laternen rechtzeitig fertig, LED-Stäbe besorgen.
- Eltern informieren: Termin, Treffpunkt, warme Kleidung.
Und vielleicht der schönste Abschluss: Am Ende des Umzugs teilen alle gemeinsam Brezeln oder Martinsgänse aus Hefeteig. Dann ist die Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt.
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