Der Advent ist eine Zeit des Wartens – und Warten fällt Kindern schwer. Was hilft: etwas, das jeden Tag ein Stück wächst. Ein Adventskalender, ein Kranz mit immer mehr Kerzen. Oder eine Krippe, die Woche für Woche in der Bauecke entsteht.
Die Idee ist einfach: Die Kinder bauen in den vier Adventswochen die Weihnachtsgeschichte nach. Jede Woche kommt ein Teil dazu. Am Ende steht eine ganze kleine Welt – und die Kinder kennen die Geschichte, weil sie sie selbst gebaut haben.
Warum Bauen und Erzählen so gut zusammenpassen
Friedrich Fröbel, der Erfinder des Kindergartens, war Pfarrerssohn aus Oberweißbach in Thüringen. Für ihn gehörten Spielen, Bauen und Glauben zusammen: Im Bauen erfährt das Kind, dass es selbst etwas gestalten kann – und dass die Welt eine Ordnung hat. Wer eine Krippe baut, setzt sich mit der Geschichte auseinander: Wie groß ist ein Stall? Wo stehen Ochs und Esel? Wo kommen die Hirten her? So wird aus einer gehörten Geschichte eine erlebte.
Woche 1: Der Weg nach Bethlehem
Erzählen: Maria und Josef machen sich auf den Weg von Nazareth nach Bethlehem (Lukas 2). Der Weg ist lang, Maria erwartet ein Kind.
Bauen: Mit Tüchern entsteht eine Landschaft – Hügel, ein Weg, vielleicht ein Fluss aus blauem Stoff. Aus Bausteinen bauen die Kinder Wegmarken, kleine Mauern, einen Brunnen. Maria und Josef stehen am Anfang des Weges und rücken jeden Tag ein Stück weiter.
Woche 2: Die Stadt und der Stall
Erzählen: In Bethlehem ist kein Platz in der Herberge. Nur ein Stall bleibt.
Bauen: Jetzt wird es spannend. Die Kinder bauen Häuser mit Türen, an denen Maria und Josef anklopfen – und einen einfachen Stall am Rand. Ein Stall braucht drei Wände, eine offene Seite und ein Dach. Hier lernen Kinder viel über Statik: Wie lege ich ein Dach auf, damit es nicht einstürzt? Flache Steine als Balken, darüber Dachsteine.
- Tipp für Kleinere: Ein Tuch als Dach reicht völlig.
- Tipp für Vorschulkinder: Den Stall mit Futterkrippe, Tür und Fenster bauen lassen – und vorher eine einfache Skizze zeichnen.
Woche 3: Hirten und Engel
Erzählen: Auf dem Feld hüten Hirten ihre Schafe. Ein Engel kommt und bringt die gute Nachricht: Der Retter ist geboren.
Bauen: Ein Hirtenfeuer aus kleinen Steinen, ein Gatter für die Schafe, ein Hügel, auf dem der Engel steht. Die Schafe können aus Watte, Knete oder Filz sein. Viele Kinder bauen hier ganz frei und erfinden eigene Geschichten dazu – das ist ausdrücklich erwünscht.
Woche 4: Die Kirche – wo wir heute Weihnachten feiern
Erzählen: Jesus wird geboren. Bis heute feiern Christen auf der ganzen Welt seinen Geburtstag – in Familien und in Kirchen.
Bauen: Zum Abschluss baut die Gruppe eine Kirche. Sie schlägt die Brücke von der Geschichte damals zum Weihnachtsfest heute. Eine Kirche ist eine schöne Herausforderung: Langhaus, Turm, Rundbogenfenster, vielleicht ein Kreuz auf dem Dach. Wer mag, besucht vorher die Kirche im Ort und schaut genau hin: Wie sieht der Turm aus? Wie viele Fenster gibt es?
An Heiligabend – oder am letzten Kindergartentag vor Weihnachten – liegt dann das Kind in der Krippe.
Welche Bausteine eignen sich?
Grundsätzlich funktioniert die Idee mit jedem Baumaterial. Für Stall und Kirche lohnen sich aber Steine mit Bögen, Säulen und Dachformen. Ankersteine sind dafür ideal: Sie sehen aus wie echtes Mauerwerk, sind schwer genug für stabile Türme und haben Rundbögen für Fenster und Tore.
- Für Stall, Häuser und Brunnen reicht der Grundkasten 4 oder der Grundkasten 6.
- Für eine richtige Kirche mit Turm empfiehlt sich der Ergänzungskasten 12A – die Kirche auf dem Titelbild ist damit gebaut.
- Wer mit den Kleinsten arbeitet, nimmt die Fröbelgaben: Mit den acht Würfeln der Gabe 3 lässt sich schon ein einfacher Stall bauen.
Tipps für die Praxis
- Bauen bleibt stehen: Die Krippe braucht einen festen Platz, an dem sie vier Wochen bleiben darf – ein Tisch oder ein abgegrenzter Bereich der Bauecke.
- Fotos machen: Jede Woche ein Foto. Zusammen ergibt das eine Bildergeschichte für die Eltern oder den Gruppenraum.
- Kinder erzählen lassen: Wer gebaut hat, darf am Ende der Woche den anderen davon erzählen. Das fördert Sprache ganz nebenbei.
- Nicht perfekt bauen wollen: Die Krippe muss nicht schön sein. Ein schiefer Stall, den Kinder selbst gebaut haben, ist mehr wert als eine perfekte Figur aus dem Laden.
Für kirchliche Kindergärten – und für alle anderen
In evangelischen und katholischen Kindergärten passt die Bau-Krippe gut zu Adventsandachten und zum Krippenspiel. Aber auch in anderen Kindergärten ist sie eine schöne Möglichkeit, Kindern zu erklären, warum wir Weihnachten feiern – ehrlich, kindgerecht und ohne Druck. Denn bei aller Vorfreude auf Geschenke: Im Kern ist Weihnachten die Geschichte von einem Kind, das in einem Stall geboren wurde.
Mehr dazu, wie Glaube und Kindergarten-Alltag zusammenpassen, findest du auf unserer Seite Christliche Pädagogik im Kindergarten.
Häufige Fragen
Wie baut man im Advent eine Krippe mit Bausteinen?
In vier Wochen Schritt für Schritt: Woche 1 der Weg nach Bethlehem, Woche 2 Stadt und Stall, Woche 3 Hirten und Engel, Woche 4 die Kirche. An Heiligabend kommt das Kind in die Krippe.
Welche Bausteine eignen sich für Stall und Kirche?
Für Stall und Häuser reicht der Grundkasten 4 oder 6. Für eine Kirche mit Turm empfiehlt sich der Ergänzungskasten 12A. Mit den Kleinsten geht ein einfacher Stall auch mit der Fröbelgabe 3.
Passt die Idee auch für nicht kirchliche Kindergärten?
Ja. Sie ist eine kindgerechte Möglichkeit zu erklären, warum wir Weihnachten feiern, ganz ohne Druck.
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